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Kino 08.09.2026

Javier Bardem und Penélope Cruz in einem düsteren Thriller: So viel Potenzial und dann das

Javier Bardem und Penélope Cruz in einem düsteren Thriller: So viel Potenzial und dann das
Nach Kap der Angst wird Javier Bardem im Thriller Bunker selbst paranoid und das an der Seite seiner echten Ehefrau Penélope Cruz. Ob der Thriller dem hochkarätigen Schauspiel-Duo gerecht wird, verrät diese Kritik.

Wo ist Ruben Östlund, wenn man ihn braucht? Der Regisseur von Höhere Gewalt und Triangle of Sadness musste in der Vergangenheit für seine platten Satiren neben Goldenen Palmen in Cannes auch einiges an Kritikerspott einsammeln. Im Vergleich zum neuen Thriller Bunker von Florian Zeller (The Father) ist der Schwede jedoch ein Meister gesellschaftlicher Tiefenanalyse. Zellers neuer Film trägt alle Insignien eines Prestige-Projekts mit Oscar-Ambitionen. Allen voran steht Zeller selbst, der für The Father einen Academy Award für das beste adaptierte Drehbuch abstauben konnte.

Die Hauptrollen übernimmt diesmal das reale Ehepaar Javier Bardem und Penélope Cruz. Die Geschichte sticht direkt in gegenwärtige Diskurse über schwindende Solidarität und Milliardäre, die sich vom Rest der Welt und ihren Problemen abschotten. Der ewige Brennpunkt Gentrifizierung heizt die Geschichte weiter an. Mit Patrick Schwarzenegger spielt sogar einer der liebenswerten Schnösel aus der Wealth-Gap-Serie schlechthin mit: The White Lotus. Wie konnte das schiefgehen?

Javier Bardem soll für Milliardär Paul Dano einen Endzeit-Bunker bauen

Bardem hat gerade noch bei Apple TV als Ex-Knasti Max Cady das Ehepaar in der Kap der Angst-Serie terrorisiert, da gerät er selbst in den Strudel der Paranoia. In Bunker übernimmt er die Rolle des gefeierten spanischen Architekten Miguel, der sich in London ein schönes Leben mit seiner bei einem Verlag arbeitenden Ehefrau Sofia (Cruz) aufgebaut hat. Ihr luxuriöses Townhouse – Typ: große Fenster suggerieren Durchlässigkeit, aber Achtung, die dicken Mauern drumherum verraten etwas anderes! – ist Ausdruck des Angekommenseins.

Zeller, der auch das Drehbuch geschrieben hat, bringt mit drei Bekanntschaften Unruhe in dieses Leben: Sofia trifft auf einen charismatischen jungen Autor (Schwarzenegger) mit der Aura eines Lifestyle-Gurus und den Tattoos eines Emo-Rappers. Ein etwas rauer neuer Nachbar (Stephen Graham) ramponiert die Steinwand, die Miguels Garten umgibt, um seinem neuen Heim Licht zuzuführen. Und ein Milliardär (Paul Dano) will, dass Miguel einen Endzeit-Bunker auf Hawaii entwirft.

Der Symbolgehalt ist unübersehbar und damit wir das auch ja nicht verpassen, legt Zeller die Aussage später einer Figur in den Mund. Miguel hat sich unbewusst seinen eigenen Bunker in London errichtet! Den Wald sieht er vor lauter Bäumen trotzdem nicht, wenn er sich über die Paranoia des Milliardärs wundert, der sich vor seinen weniger bemittelten Mitmenschen am liebsten im Erdkern verstecken würde.

Hinter den Mauern des Townhouses gären überdies die über die Jahre angesammelten persönlichen Enttäuschungen des Ehepaars, von dem man fast behaupten könnte, dass es sich in einem – räusper – emotionalen Bunker gemütlich gemacht hat. Dessen Wände beginnen wegen der drei genannten Besucher langsam zu bröckeln.

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Der Thriller buchstabiert wirklich jede seiner wenigen Ideen doppelt und dreifach aus

Ein Thriller, in dem sich Javier Bardem und Penélope Cruz in ihren vier Wänden ein Schauspielduell liefern: Dieses Versprechen löst der Film zwar ein, ist aber trotzdem eine Enttäuschung. Wobei die beiden sich bravourös durch das stickige Drehbuch kämpfen. Wegen Bardem und Cruz kann man den 126 Minuten dieser unermüdlich durchkonstruierten Geschichte zumindest eine Chance geben. Die beiden spielen Miguel und Sofia so leichtfüßig und authentisch im Umgang, dass erst recht auffällt, wie mechanisch sich der Rest des Films entfaltet. Man wünscht sich regelrecht eine rettende Aussprache zwischen den beiden.

Das Drehbuch verlangt etwas anderes: ein bürgerliches Drama über die Atomisierung der Menschen. Vorangetrieben wird es von Klassenunterschieden, Meinungsmache und einem industriellen Komplex, der erst isoliert und dann daraus Profit schlägt. Von den Apps, auf die Kinder tagein, tagaus starren, bis hin zu den Mauern, die ihre Väter hochziehen, um nicht von ihren Nachbarn behelligt zu werden.

Ein Plädoyer für mehr Miteinander spricht Florian Zeller in seinem neuen Thriller aus. Das wäre überzeugender, würde das Drehbuch nicht jede einzelne Figur so behandeln wie eine Säule, die die Ideen des Films tragen muss. Am meisten leidet darunter die Figur von Stephen Graham, einem erstklassigen Schauspieler, der in Produktionen wie Netflix' Adolescence regelmäßig Erwartungen an seine raue Schale unterläuft. Hier darf er kaum mehr als ein Stereotyp auf zwei Beinen spielen, das nur atmet, um Miguel eine Lehre zu erteilen. Bunker ist ein Bunker von einem Film.

Ich habe Bunker bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig gesehen, wo der Thriller im Wettbewerb läuft. Bunker soll im ersten Quartal 2027 in den deutschen Kinos starten.

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